Galerie
Am Samstag, 12.September 2026 machten sich 13 Sodalen und ein Gast gemeinsam auf den Weg in den Jura. Die Fahrt führte uns von Solothurn über Inkwil, Oensingen und Balsthal nach Delémont. Bereits die Anreise bot bei schönem Wetter eine abwechslungsreiche und landschaftlich reizvolle Fahrt.
In Delémont feierten wir in der Vorburgkapelle, dem Marienwallfahrtsort des Jura, gemeinsam Eucharistie. Die Feier wurde von unserem Sodalen Kaplan Konrad zelebriert und Weihbischof em. Martin, unser ehemaliger Präses, konzelebrierte.
Anschliessend durften wir im Restaurant Vorburg ein ausgezeichnetes Mittagessen geniessen. Besonders die hausgemachte Cremeschnitte fand grossen Anklang und rundete das gute Essen wunderbar ab.
Am Nachmittag führte ein kleiner Spaziergang dem Kreuzweg entlang in die Altstadt von Delémont. Dort blieb Zeit für eine freie Besichtigung mit dem Schloss und der Kirche St. Michael.
Die Rückfahrt führte wiederum über die landschaftlich schöne Strecke zurück nach Solothurn.
Alles in allem war es ein rundum gelungener Ausflug: ein Tag mit geistlicher Gemeinschaft, gutem Essen, schönen Eindrücken und vor allem mit viel Zeit für Begegnung und Geselligkeit untereinander. DKi
Am 15. August, dem Hochfest ‚Mariä Aufnahme in den Himmel‘, feierte die Marianische Männerkongregation Solothurn ihr diesjähriges Titularfest – einen Tag, der ganz im Zeichen der Gemeinschaft, des Glaubens und der Freude stand.
Der Festtag begann am Vormittag mit dem Pfarreigottesdienst der Kirchgemeinde Solothurn. Unser Co-Präses Thomas Ruckstuhl stand der Eucharistie als Hauptzelebrant vor, während unser zweiter Co-Präses Mathias Mütel das Evangelium verkündete. In seiner Predigt schlug Thomas auf erfrischende Weise eine Brücke zum Leben an der Aare und zum kühlen Nass, das uns an heissen Sommertagen Erfrischung schenkt – mit all seinen Facetten und überraschenden Seiten. So wurde aus dem Wasser der Aare ein schönes Bild für das Leben und letztlich auch für unseren Glauben.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Domchor Solothurn gestaltet, der gemeinsam mit einem Barockensemble für einen festlichen und eindrücklichen Klang sorgte.
Nach dem Gottesdienst wechselte die Festgemeinschaft vom Kirchenraum an die ‚Aare‘ – zumindest sinngemäss. Im Restaurant Da Daniele durften wir bei einem erfrischenden Aperitif miteinander anstossen, bevor wir uns zum traditionellen Bruderschaftsmahl versammelten. Bei gutem Essen und angeregten Gesprächen wurde die Gemeinschaft gepflegt und manche Begegnung, die im Alltag vielleicht zu kurz kommt, fand ihren Platz.
Am Nachmittag stand schliesslich die Sakramentsandacht im Mittelpunkt. In der stillen Gegenwart des eucharistischen Herrn fand der Festtag seinen geistlichen Höhepunkt. Ein besonderer Moment war dabei die Aufnahme unseres neuen Sodalen Vasile in die Männerkongregation. Mit grosser Freude durften wir ihn in unserer Bruderschaft willkommen heissen und ihm für seinen gemeinsamen Weg in unserer Gemeinschaft Gottes Segen wünschen.
So klang ein rundum gelungener Titularfesttag aus: festlich und fröhlich, geistlich und gesellig, traditionsverbunden und zugleich offen für Neues. Ein Tag, der uns einmal mehr daran erinnerte, was unsere Kongregation seit Jahrhunderten trägt: der gemeinsame Glaube, die Verbundenheit untereinander und die vertrauensvolle Hinwendung zu Maria, unserer Patronin und Wegbegleiterin. DKi
gehalten von Co-Präses Thomas Ruckstuhl
Dr. theol., Leitender Priester / Stadtpfarrer Solothurn
Alles fliesst im Strom des Lebens
Liebe Schwestern und Brüder
Heute Nachmittag um 13.30 Uhr heisst es wieder Aareschwimmen in Solothurn. Bereits 1932 wurde der Anlass erstmals ausgetragen. Von der Badi bis zum Anlegersteg beim Soleure quer durch die schöne Barockstadt schwimmen, sportlich oder gemütlich – und das erst noch während der Barocktage! Heute fällt dieser Anlass mit unserem Fest Maria Aufnahme in den Himmel zusammen. Das hat mich inspiriert!
Denn manchmal kommt uns das Leben auch vor wie das Treiben auf einem Fluss. Wo viele schöne Dingen an uns vorbeiziehen, wo die Zeit läuft, und wir wissen nicht wie: wo alles fliesst und strömt und man nirgends einfach bleiben und verweilen kann. Wo wir gelegentlich gegen den Strom schwimmen und uns für etwas anstrengen, wo es auch mal gefährlich werden kann, wenn wir an einem Wirbel vorbeigleiten, wo uns wie in einem Wasserfall der Boden unter den Füssen weggezogen wird, oder niedriger Wasserstand das Vorankommen erschwert. Aber dann kommen bestimmt auch wieder die wunderschönen Abschnitte, vorbei an den schönen Landschaften und grossartigen Bauwerken, Türmen, Bücken und Kirchen.
Alles fliesst. So hat es der griechische Philosoph Heraktit um 500 v. Chr., bereits als Lebenserkenntnis festgehalten: man kann zweimal in denselben Fluss einsteigen. Selbst wenn wir an genau derselben Stelle einsteigen, fliesst bereits anders Wasser. Übertagen auf das Leben verdeutlicht dieser Gedanke die Einzigartigkeit jeder einzelnen Erfahrungen und der ständige Wandel der Realität. Alles fliesst – panta rhei, sagt der Grieche. Und nichts bleibt, wie es war. Wie ein grosser Strom fliesst alles dahin und wie ein kleiner Zufluss ist unser eigenes Leben.
Doch woher kommt der Fluss und wohin mündet er? Vor diese Frage stellt uns das heutige Fest Mariä Aufnahme in den Himmel. Woher kommt unser Leben und noch mehr: wohin mündet es?
Von der Aare können das einfach beantworten: sie entspringt im Grimselgebiet aus den Aaregletschern und mündet bei Koblenz in der Rhein. Dazwischen liegen rund 300 km Flussbett.
Doch woher kommt der Mensch und noch vielmehr: wohin geht er?
Der heutige Festtag lenkt unseren Blick auf die Vollendung des Lebens von Maria. Ihren Lebensanfang feiern wir jeweils am 8. Dezember an Maria Empfängnis und ihren Geburtstag am 8. September mit dem Fest Maria Geburt. Den Tag ihrer Berufung zur Mutter von Jesus am 25. März und den Tag ihrer Mutterschaft am 25. Dezember.
Daran sehen wir, dass die Liturgie der Kirche am ganzen Leben interessiert ist, an den Meilensteinen und grossen Momenten des Lebens. Aber auch die schweren Momente und Herausforderungen, die dazu gehören, gehen nicht vergessen.
Die drastische Lesung aus dem Buch der Offenbarung, die zum heutigen Fest gehört, lässt daran keinen Zweifel: der feuerrote, siebenköpfige Drache, der Frau und Kind an Leib und Leben bedroht, zeigt die Anfeindungen, die Bedrohung an Leib und Leben, die Maria in den Anfängen der Kirche unter röm
ischer Herrschaft miterlebt hat. Doch die Frau und das Kind werden verschont. Gott hält seine schützende Hand über ihnen. So wird das Kind gerettet und die Frau findet Zuflucht.
Im Strom der Geschichte hat es viele Anfeindungen und Verfolgungen gegen das Christentum gegeben bis in die Neuzeit hinein. Vergessen wir nicht das gewaltsame Vorgehen gegen die kontemplativen Klöster in der französischen Revolution, die Inhaftierung hunderter von Priestern im KZ Dachau während der NZ-Zeit, die Unterdrückung der Kirche in den kommunistischen Systemen, die Verfolgung der Christen in Korea, Japan und China. Diese Stromschnellen und Klippen haben die Menschen nicht gehindert, ihrem Glauben oft auch im Verborgenen und unter grossem Risiko treu zu bleiben. So auch Maria nicht. Sie ist bis unters Kreuz mitgegangen.
Heute schauen wir auf die Mündung des Lebensstromes: auf das Ende der langen Reise durch die Landschaften und Täler, die weiten und die engen Stellen, die trockenen Zeiten und die mit Überfluss gesegneten. Die Mündung des Flusses führt ins Meer: alles fliesst mit ein, was von der Quelle bis hierher dazugekommen ist. Alles hat Platz in der grossen Weite des Meeres: Das Lied von Markus Jenni bringt es treffend auf den Punkt, wenn es das Meer mit Gottes Weite vergleicht: «Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe. Wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim. Freiheit bekamen wir, uns zu bewegen, und zu Gott Ja zu sagen oder Nein. Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe.»
Maria hat ihr Ja gegeben zu den Plänen Gottes. Sie hat den guten Kampf gekämpft und den Lauf vollendet. Heute feiern wir mit ihr hoffnungsfroh ihren Eingang in die grosse Liebe Gottes.
Das das ist auch für uns gläubige Menschen ein Anlass zur Freude und Leichtigkeit auf unserer eigenen Flussreise. Lassen wir uns vom Strom des Lebens tagen. Und danken wir Gott, dass er uns dereinst in der Weite seiner Liebe erwartet!
Thomas Ruckstuhl
gehalten von Co-Präses Diakon Dr. Mathias Mütel
Die Herrlichkeit vor Augen
Das Ziel ist der Himmel
Liebe Sodalen, liebe Kandidaten, liebe Schwestern und Brüder
wir feiern heute die Aufnahme Mariens in den Himmel.
Und dieses Fest stellt uns zunächst einmal ganz schlicht
das Ziel unseres Lebens vor Augen: den Himmel.
Maria ist dort angekommen, wohin Christus uns führen will:
in die Gemeinschaft mit Gott, in die Vollendung, in die Herrlichkeit.
Deshalb handelt dieses Fest nicht nur von Maria. Es handelt auch von uns.
Von unserer Hoffnung. Von unserer Berufung.
Und von dem Ziel, das Gott unserem Leben gegeben hat.
Deshalb die triumphalen Bilder
Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Aufnahme Mariens in den Himmel in der Kunst so gerne triumphal dargestellt wird.
Der Himmel öffnet sich. Engel tragen Maria empor. Licht. Glanz. Herrlichkeit.
Und das hat seinen guten Grund.
Denn viele Menschen, die vor solchen Bildern gebetet haben, führten selbst alles andere als ein triumphales Leben.
Sie kannten harte Arbeit. Krankheit. Armut. Krieg.Verlust. Tod.
Und gerade diesen Menschen sagten solche Bilder:
Das, was du jetzt siehst, ist noch nicht alles.
Wir sehen Gebrechlichkeit und glauben Herrlichkeit
Und damit sind wir bei einer eigentümlichen Spannung unseres Glaubens.
Wir sehen Vergänglichkeit – und glauben Vollendung.
Wir sehen Gebrechlichkeit – und glauben Herrlichkeit.
Wir sehen den Tod – und glauben den Himmel.
Der christliche Glaube redet Leid und Tod nicht schön.
Er behauptet nicht, dass die Dunkelheit eigentlich gar nicht dunkel sei.
Aber er widerspricht dem Augenschein in einem entscheidenden Punkt:
Was du jetzt siehst, ist noch nicht alles.
„Schwarz bin ich und schön“
Die Spuren eines harten Lebens
Vielleicht haben sie schon mal unter einer schwarzen Madonna den Satz gelesen: «nigra sum sed pulchra» – «schwarz bin ich doch schön»
Der Satz stammt aus dem Hohelied im Alten Testament.
Dort sagt eine junge Frau: „Schwarz bin ich und schön.“
Und sie erklärt selbst, warum ihre Haut dunkel geworden ist:
Sie musste draußen arbeiten. In den Weinbergen. Unter der Sonne.
Man sieht ihr an, was das Leben mit ihr gemacht hat.
Das Leben hinterlässt Spuren.
An unserem Körper. In unserem Gesicht. In unserer Seele.
Aber selbstbewusst sagt sie den anderen Mädchen deren Haut weiss geblieben ist: «schaut mich nicht so an, weil ich schwarz bin. Schwarz bin ich doch schön»
„Ganz schön bist du“
Und dann sagt der Geliebte zu dieser Frau:
„Ganz schön bist du, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.“
Den Satz kennen wir auch.
Er wird immer wieder auf Maria bezogen,
insbesondere auf die unbefleckte Empfängnis:
«tota pulchra es, amica mea, et macula non est in te»
Gerne auch abgewandelt:
«tota pulchra es, Maria, et macula originalis non est in te»
Im Bibeltext geht es darum, dass der Geliebte zu dem Arbeitermädchen, dessen Haut durch die Feldarbeit nicht dem Schönheitsideal entspricht, sagt: «Du bist schön und kein Makel ist an Dir».
Sie sieht die Spuren ihres Lebens. – Der Geliebte sieht ihre Schönheit.
Und darin steckt für mich eine tiefe Botschaft:
Gott sieht einen Menschen oft ganz anders, als dieser Mensch sich selbst sieht.
Wir sehen unsere Brüche. Unsere Fehler. Unsere Niederlagen.
Das, was nicht geworden ist. Das, was wir gerne anders hätten.
Gott sieht tiefer. – Gott sieht auf das makellose Potential, dass in uns ist.
Gott sieht schon, was werden soll
Dieser andere Blick Gottes zieht sich durch die ganze Heilsgeschichte.
Israel lebt in Ägypten in Knechtschaft –
Gott sieht schon das Volk, das er in die Freiheit führen wird.
Israel erlebt Niederlage und Exil – Gott verheißt schon die Heimkehr.
Maria nennt sich die niedrige Magd – Gott tut Großes an ihr.
Und wir erleben unsere eigene Gebrechlichkeit –
Gott sieht unsere Berufung zur Herrlichkeit.
Gott sieht eben nicht nur, was wir gerade sind. Er sieht, wozu er uns berufen hat.
Von den Tränen zum Jubel
„Als der Herr das Geschick Zions wendete“
Genau davon spricht auch der Psalm, den wir eben gebetet haben:
„Als der Herr das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende.“
Und dann dieser wunderbare Satz:
„Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“
Die Tränen werden nicht geleugnet. Die Tränen sind wirklich.
Aber sie sind nicht das Ende der Geschichte.
Das ist die Bewegung der ganzen Heilsgeschichte:
Von der Knechtschaft zur Freiheit. Von den Tränen zum Jubel.
Von der Niedrigkeit zur Herrlichkeit. Vom Tod zum Leben.
Die Herrlichkeit verändert die Gegenwart
Deshalb ist unsere Hoffnung auf den Himmel auch keine billige Vertröstung.
Sie sagt nicht: Dein Leiden ist unwichtig.
Sie sagt etwas viel Stärkeres: Dein Leiden bekommt nicht das letzte Wort.
Und wer das Ziel kennt, kann anders durch dunkle Zeiten gehen.
Nicht weil die Dunkelheit weniger dunkel wäre.
Nicht weil Krankheit weniger wehtut.
Nicht weil der Tod plötzlich harmlos wäre.
Sondern weil wir glauben: Das ist noch nicht alles.
Mit Maria das Ziel nicht aus den Augen verlieren
Und damit sind wir bei der Marienweihe, die wir heute feiern.
Sich Maria zu weihen bedeutet auch:
Mit Maria Christus nachzufolgen
und dabei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Wenn ich meine eigene Gebrechlichkeit sehe:
meine Berufung nicht vergessen.
Wenn ich einen anderen Menschen in seiner Schwäche sehe:
ihn niemals auf diese Schwäche reduzieren.
Und wenn Krankheit, Scheitern und Tod in unser Leben treten:
darauf vertrauen, dass Gott vollenden kann, was er begonnen hat.
Gleich werden wir gemeinsam das Magnificat singen.
Und Maria selbst fasst darin eigentlich alles zusammen,
worum es heute geht: „Auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“
Und: „Der Mächtige hat Großes an mir getan.“
Niedrigkeit und Herrlichkeit.
Und während wir das Magnificat singen,
wird Christus in unserer Mitte ausgesetzt.
Und auch dort begegnet uns noch einmal genau dieselbe Spannung:
Wir sehen die unscheinbare Gestalt des Brotes –
und glauben die Gegenwart des auferstandenen Herrn.
Wir sehen Niedrigkeit – und glauben Herrlichkeit.
Wir sehen, was ist – und glauben, was Gott daraus machen kann.
Mit Maria wollen wir deshalb das Ziel nicht aus den Augen verlieren:
Die Vollendung in Christus im Himmel. Amen
Mathias Mütel
15.08.2026
Pfarreiwallfahrt nach Oberdorf: Gemeinsam unterwegs im Zeichen der Hoffnung
Am Samstag, 9. Mai 2026, machten sich zahlreiche Pilgerinnen und Pilger aus dem Pastoralraum Solothurn (Soul) auf den Weg zur traditionellen Wallfahrt nach Oberdorf. Seit Jahrhunderten gehört diese Pilgertradition fest zum kirchlichen Leben der Region – und auch in diesem Jahr folgten viele Menschen der Einladung, gemeinsam zu Fuss, mit dem Velo oder auch ganz individuell zur Wallfahrtskirche Oberdorf zu pilgern.
Um 9 Uhr versammelten sich die Fuss- und Velopilgerinnen und -Pilger im Kloster Namen Jesu in Solothurn zu einem gemeinsamen Impuls, bevor sie sich durch die frühlingshafte Landschaft auf den Weg machten. Das freundliche und milde Maiwetter mit angenehmen Temperaturen und sonnigen Abschnitten begleitete die Wallfahrt und schenkte den Teilnehmenden beste Bedingungen für die gemeinsame Pilgerschaft.
Die Eucharistiefeier in der Wallfahrtskirche Oberdorf bildete den geistlichen Höhepunkt des Tages. Besonders war dabei, dass die Wallfahrt auf den Gedenktag des Heiligen Beat fiel. In diesem Zusammenhang standen die Gebete und Fürbitten besonders im Zeichen der Berufung. Die Gläubigen baten um Menschen, die sich heute mutig in den Dienst Gottes und der Kirche stellen, sowie um offene Herzen für den persönlichen Ruf Gottes im Alltag.
Die Wallfahrt machte deutlich, wie wichtig gemeinsames Unterwegssein, gelebter Glaube und spirituelle Gemeinschaft gerade in der heutigen Zeit sind. Jung und Alt erlebten einen Tag der Begegnung, des Gebets und der Verbundenheit.
Im Anschluss an den Gottesdienst blieben zahlreiche Pilger beim gemeinsamen Picknick im Pfarrgarten zusammen. Bei guten Gesprächen und in fröhlicher Stimmung fand die diesjährige Pfarreiwallfahrt einen stimmigen und herzlichen Ausklang.
gehalten von Co-Präses Diakon Dr. Mathias Mütel
1. Lesung: Buch Jesaja 7,10–14; Psalm: Psalmen 40 (39);
2. Lesung: Brief an die Hebräer 10,4–10; Evangelium: Evangelium nach Lukas 1,26–3
Liebe Mitsodalen, liebe Geschwister in Christo
Maria lebt nicht in einer friedlichen, geschützten Welt.
Eine Welt, in der man allen Grund hat, sich zu fürchten. Und genau in diese Welt hinein tritt der Engel.
„Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.“
Dieser Satz entsteht nicht in Ruhe, sondern in einer Zeit von Krieg, Bedrohung und Unsicherheit.
Ein Volk in Angst. – Ein König, der zögert. Und mitten hinein spricht Gott: Es gibt Zukunft.
Und genau diese Linie setzt sich im Evangelium fort:
„Chaire – freue dich!“
„Fürchte dich nicht!“
Ein Wort Gottes gegen die Angst. Nicht weil es keine Angst gäbe – sondern weil die Gnade größer ist.
Angst gehört zum Menschsein. Sie kann uns schützen – aber sie kann uns auch beherrschen. Und man kann uns durch sie beherrschen.
Eine Punkband aus Hamburg hat es einmal so formuliert:
„Sie ist gar nicht meine, nicht deine, wem gehört die Angst?
Das Gift in den Herzen, die Schmerzen, wem gehört die Angst?
Sie sagt dir renn‘ und schrei‘ und kämpf‘
so lange bis du nicht mehr kannst
oder versteck dich und verreck‘ an mir –
doch wem gehört die Angst?“
Angst kann unser Leben bestimmen, ohne dass wir es merken. Und sie kommt allzuoft nicht allein.
Sie verbindet sich mit zwei weiteren Kräften: Schuld und Scham.
Schuld sagt: Ich habe etwas falsch gemacht.
Scham sagt: So wie ich bin, darf ich nicht sein – das darf niemand sehen.
Und daraus wächst Angst: Ich muss mich verstecken.
Psychologisch – und auch politisch gilt:
Wer Angst hat, ist leichter steuerbar. Angst erzeugt Kontrolle – Angst erzeugt Anpassung -Angst verhindert Freiheit.
Auch im persönlichen Leben:
Angst vor Ablehnung – Angst vor Versagen – Angst, nicht zu genügen
Und genau hier greifen diese Kräfte ineinander:
Schuld, Scham und Angst.
Der Mensch fühlt sich unter Druck, fühlt sich klein, fühlt sich gebunden – und bleibt dadurch unfrei.
Genauso funktionieren manipulative Beziehungen und Systeme:
durch Schuld unter Druck setzen und ggf. Verpflichtung erzeugen
durch Scham klein machen
durch Angst kontrollieren.
Das kann man sich auch selbst antun, z.B. durch toxische Religiösität.
Die Bibel kennt das sehr genau.
Nach dem Sündenfall heißt es:
„Ich fürchtete mich“ … „…weil ich nackt bin…“
Schuld, Scham und Angst – das sind die Grundmuster der gefallenen Existenz.
Drum heißt es in der Bibel immer wieder als Gegenmittel: „Fürchte dich nicht!“
Wer sich nicht mehr von Angst, nicht mehr von Scham und nicht mehr von Schuld bestimmen lässt, wer sie vor Gott bringt und durch sie hindurchgeht, der wird frei.
Maria hört: „Freue dich“ und „Fürchte dich nicht“
Und sie nimmt diese Worte an. Sie lebt nicht aus Angst, nicht aus Kontrolle, sondern aus Vertrauen.
Hier wird es konkret. Wer bei anderen Menschen Scham und Angst erzeugt, lebt nicht marianisch.
Das sind alte Muster: Druck aufbauen, klein machen, kontrollieren
Psychologisch: narzisstische Manipulation.
Biblisch: die Dynamik der Schlange im Paradies.
Aber auch umgekehrt gilt: Wer sich von Scham und Angst bestimmen lässt, lebt ebenfalls nicht in der Freiheit Gottes. Er lässt sich von diesen Kräften beherrschen.
Marianisch leben heißt deshalb: bei sich selbst und bei anderen die Muster von Schuld, Scham und Angst erkennen – und sich marianisch und jesuanisch dazu zu verhalten.
Und Schritt für Schritt lernen: sich nicht mehr klein machen zu lassen – sich nicht mehr treiben zu lassen – sich nicht mehr verstecken zu müssen.
Denn wir sind berufen zu einem Leben ohne Angst und ohne Scham.
Zu einem Leben in der Freiheit, in der Würde und in der Freude der Kinder Gottes.
Und vielleicht ist genau das die tiefste Botschaft dieses Festes:
Dass Gott in unsere Welt kommt, um uns zu befreien von Schuld, Scham und Angst und uns mit Gnade, Würde und Freiheit auszustatten und letztlich mit Freunde zu erfüllen.
Darum gilt:
Wer Menschen durch Scham und Angst kontrolliert, handelt narzisstisch – wie die Schlange im Garten Eden und ist bewusst oder unbewusst ihr Mitarbeiter.
Und wer sich durch Scham und Angst kontrollieren lässt, lässt sich von dieser Schlange beherrschen.
Darum dürfen wir uns sagen lassen und müssen es verinnerlichen:
Freue dich – du bist begnadet. – Fürchte dich nicht.
Wenn wir diese Botschaft dann weitergeben, sind wir auf dem guten Weg
Lassen wir uns darauf ein – mit Maria und allen Heiligen, durch Christus unseren Herrn. Amen.
Co-Präses Diakon Dr. Mathias Mütel .
Bei idealen Wetterbedingungen traf sich eine überschaubare Anzahl Sodalen und Frauen beim Baseltor in Solothurn. Ein komfortabler Bus brachte die Wallfahrer via Nottwil und das Luzerner Hinterland nach Neunkirchen/LU.
Ziel der Wallfahrt war nebst dem Besuch der Kapelle Niklaus Wolf von Rippertschwand, die Teilnahme an der heiligen Messe in der katholischen Pfarrkirche. Gefeiert wurde das jährlich stattfindende Glaubensfest im Gedenken an Niklaus Wolf. Zelebrant und Prediger war Weihbischof Josef Stübi.
Wer war Niklaus Wolf, auch Vater Wolf genannt?
Im Kanton Luzern dauerte das Mittelalter etwas länger. Trotz Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft regierten während Jahrhunderten das Stadtluzerner Patriziat in Symbiose mit der katholischen Kirche. Erst der Einfall der Franzosen 1798 läutete die Neuzeit ein und brachte dem Kanton Luzern die Demokratie.
Während der Luzerner Vogt meist in der Vogtei Rothenburg sass, die Zehnten einzog und Recht sprach, wurde das Alltagsleben auf dem Land über Jahrhunderte geprägt von der katholischen Kirche. Es war selbstverständlich, dass man jeden Sonntag zur Messe ging und sich anschliessend im Wirtshaus traf. Nebst dem Glauben an Gott in der Kirche spielte der Mystizismus, der Glaube an Wunder und direktes göttliches Eingreifen in das Leben der Menschen eine wichtige Rolle.
In dieser letzten Phase des Luzerner Mittelalters verbrachte Niklaus Wolf die erste Hälfte seines Lebens. Sie hat ihn deshalb stark geprägt, vor allem der dominierende Einfluss der Kirche. Geboren wurde er am 1. Mai 1756 als 5. von 12 Kindern auf dem Bauernhof seines Vaters auf der grossen Liegenschaft Unterlindig. Nur 5 der Kinder überlebten die Kinder- und Jugendjahre. Sein Vater war Kirchmeier zur Zeit des Kirchenbaus in Neuenkirch (1765).
1773 verkaufte der Vater die Liegenschaft Unterlindig, und die Familie übersiedelte nach Rippertschwand. Im gleichen Jahr starb die Mutter. Im Heiligen Jahr 1775 schloss sich Niklaus Wolf als 19-Jähriger einer Pilgergruppen nach Rom an. Dieses Erlebnis hat seinen Glauben tief geprägt.
1779 heiratete er Barbara Müller vom benachbarten Hof Neuhus, Tochter der zweiten Frau seines Vaters aus deren erster Ehe. Er wurde Vater von 9 Kindern, von denen 4 in jungen Jahren starben. Von den 4 überlebenden Töchtern gingen 3 ins Kloster. Einziger überlebender Sohn war Johann, der später Grossrat und Gemeinderat wurde.
1788 übernahm Niklaus Wolf den elterlichen Hof. Als politisch interessierter Jungbauer verfolgt er die Ereignisse in Paris (1789 Französische Revolution, Herrschaft des Direktoriums) aufmerksam. In den Wirren nach dem Einfall der Franzosen in die Schweiz, der in den eidgenössischen Stadtständen die Herrschaft der Patrizier beendete, wurde er im Frühjahr 1798 vom Rothenburger Bataillon, in welchem er Dienst leistete, in die kantonale Nationalversammlung nach Luzern entsandt. Diese hätte eigentlich eine neue Kantonsverfassung ausarbeiten sollen, doch die Franzosen liessen eine solche demokratische Mitbestimmung nicht zu, so dass das Parlament schon nach einem Monat wieder aufgelöst wurde.
Wolf bekundete Mühe mit der von den Franzosen aufgezwungenen Verfassung. Insbesondere wollte er nicht akzeptieren, dass die Kirche in ihren Freiheiten eingeschränkt wurde und Prozessionen und Wallfahrten künftig verboten sein sollten. Auch setzte er sich gegen die Abschaffung der Zehntenpflicht an Kirchen und Klöster ein, da dadurch deren Existenzgrundlage zerstört wurde – es gab damals ja noch keine Kirchensteuern!
Folgerichtig schloss er sich im Herbst 1802 den konservativen Kräften, vor allem aus den Landsgemeindekantonen, an, die einen bewaffneten Aufstand gegen die zentralistische Helvetik lostraten. Doch Napoleon drohte ihnen mit einer erneuten Invasion. Um ihnen etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen, diktierte er 1803 den rebellierenden Eidgenossen eine neue Verfassung – die Mediation – die eine teilweise Rückkehr zur alten föderalistischen Ordnung erlaubte.
Trotzdem er auch mit der neuen Mediationsverfassung nicht einverstanden war, liess sich Niklaus Wolf im April 1803 in den Luzerner Grossen Rat wählen, den Vorgänger des heutigen Kantonsrats. Er hoffte, seinen Einfluss zu Gunsten der Kirche im Grossen Rat wirkungsvoller einbringen zu können. Als er jedoch feststellte, dass seine konservativen Ideen im Grossen Rat keine Unterstützung fanden, erklärte er bereits anderthalb Jahre später, im Oktober 1804, desillusioniert seinen Rücktritt. Die Regierung zögerte zunächst, diesen zu akzeptieren, war er doch mit der höchsten Stimmenzahl gewählt worden. Ein halbes Jahr später (1805) entliess sie ihn jedoch.
Der Rücktrittserklärung vorausgegangen war ein besonderes Erlebnis: Durch Anrufung des Namens Jesu wurde er auf für ihn unerklärliche Weise von seinen Beinschmerzen geheilt. Es war der Beginn einer charismatischen Heilertätigkeit, deren Kunde sich bald in der ganzen Umgebung verbreitet.
Seine Mitbürger wählten ihn 1809 als Gemeindevorsteher (entspricht dem heutigen Gemeindepräsidenten) in den Gemeinderat – wohl gegen seinen Willen, denn auch hier schickt er bereits 8 Monate später ein Demissionsschreiben an den Regierungsrat. Er begründete seinen Rückzug u. a. mit gesundheitlichen (Herz-)Beschwerden und Zeitmangel. Auch diesmal dauerte es über ein Jahr – bis im Frühjahr 1811 – bis der Regierungsrat auf sein Demissionsbegehren eintrat.
1814 übergab Niklaus Wolf die Liegenschaft Rippertschwand seinem Sohn Johann und widmet sich dem wachsenden Strom von Heilung Suchenden. Er war nicht der einzige Krankenheiler, der in dieser Zeit in der Eidgenossenschaft tätig war und viele Hilfesuchende anzog. Der Mystizismus mit seinem Wunderglauben war in der gläubigen Landbevölkerung noch stark verbreitet. Dort hatte die Kirche ihren Einfluss noch nicht verloren.
Die Tätigkeit dieser Heiler war den Behörden ein Dorn im Auge. Sie ersuchten den nach der Abtrennung des schweizerischen Teils des Bistums Konstanz (1817) für Luzern zuständigen Apostolischen Generalvikar Franz Bernhard Göldlin von Tiefenau (1762-1819), Propst von Beromünster, auch das Wirken Wolfs kirchlich zu untersuchen. Göldlin kam offiziell zum Schluss, dass Wolfs Heilertätigkeit nicht im Sinne der Kirche sei und auferlegte ihm vorübergehend ein Heilverbot. Insgeheim aber erwirkt er im folgenden Jahr für ihn eine «missio canonica», die kirchliche Erlaubnis, zu heilen.
1819 lernte Niklaus Wolf den ihm geistesverwandten, jedoch eine Generation jüngeren konservativen Politiker Joseph Leu von Ebersol, Hohenrain (1800-1845), kennen, den er in der Folge regelmässig aufsuchte. Gemeinsam verbrachten die beiden ganze Nächte im Gebet. Zusammen scharten sie eine grosse „Gebetsarmee“ um sich, aus der schliesslich der Ruswilerbund hervorging, der Keimzelle der späteren konservativen Partei.
1823 wurde der mittlerweile 67Jährige Niklaus Wolf – gegen seinen Willen – in den Kirchenrat Neuenkirch gewählt. Er revanchierte sich auf seine Weise: er nahm an den Kirchenratssitzungen nicht teil und wurde deshalb 2 Jahre später nicht wiedergewählt. Fortan war er nur noch als Heiler tätig.
Im September 1832 weilte der mittlerweile 76-jährige auf einer Heilerreise im Kloster St. Urban. Am 17. September erlitt er einen Schlaganfall, dem er am folgenden Morgen erlag. Seine Leiche wurde per Fuhrwerk nach Neuenkirch überführt, wo sie am 21. September 1832 an der Kirchenmauer beim Vorzeichen beigesetzt wurde.
Sein Grab wurde bald zu einer viel besuchten Wallfahrtsstätte. 1952 baute man aus diesem Grunde im westlichen Teil der Kirche eine Unterkirche und bettete seine Gebeine um. Heute noch ist dieses Grab dort Ziel vieler Pilger, wie die ständig brennenden Kerzen und das grosse Buch mit den Anliegen und Danksagungen beweisen. Allmonatlich füllt sich die Pfarrkirche Neuenkirch zu den sogenannten „Vater-Wolf-Abenden“ mit Eucharistiefeier, Vortrag, Rosenkranz und Heilungsgebet in seinem Sinne.
Das alljährlich am ersten Sonntag im September stattfindende Glaubensfest ist das Fest der Bruderschaft zur Bewahrung und Verlebendigung des Glaubens, die ebenfalls auf die Gebetsgruppe von Niklaus Wolf zurückgeht.
Seit mehreren Jahren läuft in Rom der Seligsprechungsprozess mit dem Ziel, diesen frommen Diener Gottes, Heiler und Politiker zur Ehre der Altäre zu erheben.
Quelle: Niklaus Wolf Stiftung
Siehe auch https://niklauswolf.ch
Beladen mit vielen positiven Eindrücken kehrten die Wallfahrer am Abend nach Solothurn zurück. Bedauert haben alle Teilnehmer, dass für diesen einzigartigen und erfüllenden Anlass nicht mehr Sodalen Zeit gefunden haben.
Am 15. August 2024 wurde das Titularfest der Männerkongregation „Mariä Himmelfahrt“ in Solothurn begangen. Der Tag begann mit einem feierlichen Gottesdienst in der prachtvollen Jesuitenkirche, der vom Stadtpfarrer Thomas Ruckstuhl zelebriert und vom Domchor musikalisch umrahmt wurde. Die festliche Atmosphäre in der Kirche wurde durch die sorgfältige Vorbereitung unseres Bruderschaftsmitglieds, Markus von Arx, bereichert. Er sorgte dafür, dass die Kirche in ihrem schönsten Glanz erstrahlte, inklusive der silbernen Statue der Himmelfahrtsmadonna, die unserer Kongregation gehört.
Im Anschluss an den Gottesdienst lud die Kongregation zum Apéro, der eine willkommene Gelegenheit zum Austausch unter den Teilnehmern bot. Das Bruderschaftsmahl fand im „Da Daniele“ statt, wo die Mitglieder in geselliger Runde beisammen waren, bevor sie sich gestärkt zur Vesperandacht in der Jesuitenkirche versammelten.
Die Vesper wurde von unserem Präses, Weihbischof em. Martin Gächter, zelebriert, unterstützt von Diakon Mathias Mütel, einem Sodalen aus unseren Reihen. Das Sakramentsopfer dieses besonderen Tages war den verfolgten Christen im Heiligen Land gewidmet. Musikalisch wurde die Vesper von unserem internen Chörli sowie dem Solothurner Domorganisten Benjamin Guélat begleitet, der mit seinem meisterhaften Orgelspiel die Feierlichkeiten eindrucksvoll abrundete.
Wir liessen diesen bedeutsamen Tag schliesslich bei einem kleinen Umtrunk ausklingen, bei dem die Gemeinschaft und die Geselligkeit nochmals ausgiebig gepflegt wurde.
„Gott selbst vollende, was er in dir begonnen hat.“
Liebe Schwestern und Brüder,
Bei einer Trauung spricht der Zelebrant den Brautleuten einen schönen Satz zu. Er sagt nach der Vermählung: „Gott wird das Gute, das er in euch begonnen hat, vollenden.“ Denselben Satz sagt der Bischof zum Kandidaten für die Priesterweihe: „Gott vollende das Gute Werk, das er in dir begonnen hat.“ Dahinter steht der Gedanke, dass Gott unser Leben durch alle Wendungen hindurch – die freudigen, herausfordernden und bisweilen auch tragischen – führt und leitet. Wenn ein Paar dann 25., 50., 60. Ehejubiläum feiert, silberne, goldene, gar diamantene Hochzeit, oder ein Geistlicher 50-, 60-jähriges Priesterjubiläum oder Ordensprofess begeht, so scheint da etwas von Erfüllung, Abrundung und Vollendung auf. Etwas Grosses ist vollbracht.
Heute feiern wir das Fest Maria Aufnahme in den Himmel. Es stellt uns die Vollendung Mariens vor Augen. Die Vollendung ihres Lebens ganz am Ende, im Tod. Gemeint ist auch die Vollendung ihrer Aufgabe, zu der sie berufen wurde: nämlich die Mutter von Jesus zu werden und teilzunehmen an seinem Leben, seinem Schicksal und seiner Gründung, der Kirche. Maria selber spricht im Magnificat den Dank über ihr Leben: „Der Mächtige hat Grosses an mir getan. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ Heute wird sie, so das Festgeheimnis, von ihrem Sohn im Himmel empfangen.
Die hl. Schrift berichtet nichts über ihren Tod. Es ist davon auszugehen, dass Maria nach dem Pfingstereignis und nach dem Ausschwärmen der Apostel in alle Welt selber in Jerusalem weitergelebt hat und dort gestorben ist. Gerade wegen der fehlenden Auskunft der Bibel gab es aber bei den Kirchenvätern immer wieder Vermutungen über ihr Lebensende.
Epiphanios (Bischof auf Zypern, um das Jahr 400) mutmasst, dass Maria – wie viele Christinnen und Christen der Urkirche auch – getötet worden sei und als Märtyrerin starb. Diese Meinung hat sich aber nicht durchgesetzt. Vielmehr glaubt man an einen natürlichen und friedlichen Tod Mariens und zwar im Kreise der zurückgekehrten Apostel.
Ich habe seit meiner Kindheit eine künstlerische Darstellung vor Augen, die diesen Tod Marias darstellt. In Mariazell, einer Wallfahrtskapelle meiner Heimatstadt Sursee, auf der Endmoräne über dem Sempachersee gelegen, gibt es drei Darstellungen aus dem Marienleben, alle drei in Zimmern dargestellt: Das Zimmer ihrer Geburt. Ihre Mutter Anna liegt auf dem Geburtsbett und die Neugeborene Maria wird gewaschen. Ein weiteres Zimmer zeigt den Eintritt des Engels Gabriel in das Privatzimmer der jungen Maria, wo er ihr die Berufung zur Mutter von Jesus zuteilwerden lässt. Schliesslich das dritte Zimmer, ihr Sterbezimmer, in dem ihr Heimgang, ihr Tod dargestellt ist.
Maria liegt auf dem Sterbebett, von den Aposteln umgeben, dahinter Christus, der die Seele seiner Mutter empfängt. Diese Umstände ihres Todes ohne Kampf und ohne Schmerz, führten dazu, Maria als Fürsprecherin für eine gute Sterbestunde anzurufen. So wie wir es kennen aus dem „Gegrüsst seist du Maria“: „Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“
In grösstem Kontrast zu diesem friedlichen Heimgang Marias steht das Faktum, dass in unserer Zeit immer noch, ja sogar immer mehr, Menschen in der Welt an den Folgen von Krieg, von Hunger und Epidemien sterben. Dass die aus dem Gleichgewicht gebrachte Natur dem Menschen selbst zum Verhängnis wird durch Hitze, Waldbrände, Überschwemmungen, Murgänge und ähnliches. Wir merken, dass da von Vollendung wenig zu spüren ist – im krassen Gegensatz zu dem, was wir uns doch für jeden Menschen und unsere Landschaften wünschen.
Das Magnifikat, der grosse Lobgesang von Maria, ist in unsere Welt hinein bis heute ein prophetischer Text mit grosser Aktualität. Maria steht auf für das Schwache und Geschundene. Sie steht auf für die Hoffnung, dass bei Gott eine letzte Gerechtigkeit eingefordert wird: dass Gott die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht. Dass er die Hungernden mit seinen Gaben beschenkt.
Diese Zusagen sind nicht erfüllt, behalten ihre prophetische Dimension. Die Geschichte Gottes mit den Menschen ist nicht zu Ende.
Uns bleibt für heute die Bitte, dass Gott das Gute, das er in der Welt begonnen hat, vollenden wird. Und es ergeht neu die Einladung, die Aufforderung, uns neu zur Verfügung zu stellen, das unsrige dazu beizutragen. Maria möge die Fürsprecherin dafür sein und bleiben. Amen.
15. August 2024, Jesuitenkirche Solothurn
Thomas Ruckstuhl
Stadtpfarrer
Am Abend des 8. Dezember 2023, dem Hochfest der unbefleckten Empfängnis Mariens, versammelten sich Mitglieder und Freunde der Marianischen Männerkongregation Mariä Himmelfahrt zu einem besonderen Adventsanlass. Die feierliche Eucharistiefeier, die um 18 Uhr in der Weststadtkirche begann, markierte den Auftakt zu einem stimmungsvollen Abend voller Besinnung und Gemeinschaft.
Nach der Messe zog sich die Gemeinschaft in den gemütlichen Pfarrsaal zurück, um bei Bänzli, Schöggeli und Wein das Zusammensein zu geniessen. In dieser entspannten Atmosphäre wurden Erfahrungen ausgetauscht und neue Bindungen geknüpft – ein Ausdruck der herzlichen Verbundenheit, die die Mitglieder der Kongregation teilen.
Dank unserem geschätzten Präses, Weihbischof em. Martin Gächter, erlebten die Anwesenden eine moderne Interpretation der Weihnachtsgeschichte, die mit Lebendigkeit und zeitgemässer Perspektive den Sinn und die Freude des bevorstehenden Festes vermittelte. Seine Worte brachten nicht nur eine erfrischende Note in die Feierlichkeiten, sondern luden auch dazu ein, die Bedeutung von Weihnachten auf neue Weise zu erfassen.
Der Adventsanlass der Marianischen Männerkongregation Mariä Himmelfahrt Solothurn am Hochfest der unbefleckten Empfängnis war nicht nur eine Feier des Glaubens, sondern auch ein Moment der Verbundenheit und Freude. Es war eine Zeit, um innezuhalten, die Gemeinschaft zu stärken und sich auf die bevorstehende festliche Jahreszeit einzustimmen.
Unser Mitsodale und „Stadt-Verführer“ Markus von Arx hat eine (leider nur kleine) Gruppe durch die Verenaschlucht geführt. Er machte uns auf verschiedene – oft übersehene – Schönheiten dieser romantischen Schlucht aufmerksam, etwa auf die Umgestaltungen von 1791 durch den französischen Baron Louis August de Bretail oder auf den schönen „französischen Park“ mitten in der Schlucht. Wir bestaunten die frisch renovierte St. Martins-Kapelle, begegneten dem Einsiedler Michael Daum und genossen danach ein feines Zvieriplättli.
Wie jedes Jahr wurde am 15. August 2023 unser Titularfest in der Jesuitenkirche „Maria Himmelfahrt“ gefeiert. Im Festgottesdienst hielt Pfarrer Thomas Ruckstuhl eine eindrückliche Predigt.
An der Feier am Nachmittag konnten wir leider keine neuen Sodalen aufnehmen, doch zahlreiche Sodalen erneuerten persönlich oder schriftlich ihr Aufnahmeversprechen. Unser Sodalen-Chor sang unter der Leitung von Patrik Fluri schöne geistliche Gesänge. Ein gemütliches Zusammensein unter warmen Sonnenschein rundete den Festtag ab.
Die 365. Wallfahrt der Solothurner Katholiken nach Oberdorf wurde einmal mehr von unserer Marianischen Männerkongregation belebt. So pilgerten 14 Männer und 2 Frauen zu Fuss von Solothurn zum beliebten Marienwallfahrtsort, wo dann etwa 40 Solothurner zu einem festlichen Gottesdienst zusammen kamen. Mit Freuden konnten wir feststellen, dass jedes Jahr mehr Pilger kommen – allerdings viel weniger als vor 365 Jahren, als die Solothurner gelobten, jedes Jahr diese Wallfahrt durchzuführen. Damals lebten allerdings nur Katholiken in Solothurn. Die Kirche prägte den Alltag, in dem es noch nicht so viele Freizeitangebote gab wie heute!
In seiner Predigt betonte unser Stadtpfarrer Thomas Ruckstuhl, dass die Muttergottes Maria eine starke Frau ist, die den Menschen viel Trost und Hilfe schenkt. Ihr ganzes Leben hat sie auf ihren Sohn ausgerichtet. Schon vor seiner Geburt glaubte und wusste sie, dass Jesus nicht ein Sohn ihres geliebten Josef ist, sondern der Sohn Gottes. Das spürte sie auch, als der 12-jährige Jesus allein im Tempel von Jerusalem zurückblieb und dann den verzweifelten Maria und Josef erklärte, dass er im Hause seines Vaters sein muss. Ebenso liess er seine Mutter Maria vor der Türe stehen mit der Erklärung, dass seine Mutter und Brüder alle Menschen seien, die das Wort Gottes hören und es befolgen. Auch da merkte Maria, dass Jesus für alle Menschen kam und dass seine Familie sehr gross und für alle offen ist. So schenkte Maria ihren Sohn der ganzen Menschheit. Sie nahm sich selber zurück und wies gerne auf Jesus hin: „Tut alles, was er Euch sagt“!
Pfarrer Ruckstuhl erinnerte auch an das Jubiläum der 250 Jahre unserer St. Ursenkirche“. Als grosser Prachtsbau wurde sie vor 250 Jahre errichtet, eigentlich viel zu gross für unsere Stadt Solothurn, in der immer weniger Leute die Kirche besuchen. Unsere grosse Kathedrale fordert die heutigen Katholiken heraus, mit Maria und den hl. Urs und Viktor mutig zu Christus zu stehen und den Mitmenschen die Freude und befreiende Erlösung weiter zu geben, die Jesus allen Menschen schenken will.
(Martin Gächter)
An unserer GV vom 25. März 2023 stellten wir beim Rückblick aufs Jahr 2022 fest, dass leider manche Sodalen unsere eindrücklichen Anlässe (siehe auf unserer Webseite mkmh.ch) verpasst haben. Aus dem Vorstand wurden die verdienten Sodalen Josef Lang und Otto Bur verabschiedet. Unser Vorstand hat sich verkleinert und verjüngt.
Unsere Männerkongregation trifft sich jedes Jahr vor Weihnachten zu einer Adventsfeier. Nach einer hl. Messe zum Marienfest vom 8. Dezember in der St. Ursen-Kathedrale versammelten wir uns zu einer stimmungsvollen Adventsfeier im Pfarrsaal. Wir konnten uns ausgiebig unter einander austauschen und adventliche Süssigkeiten geniessen. Es wurde ein wohltuender Abend in der hektischen Vorweihnachtszeit.
Neben unserem Präses Martin Gächter haben wir zwei weitere Theologen in unserer Marianischen Männerkongregation, nämlich unseren neuen Präfekt Daniel Kilchenmann (Sakristan und Katechet in Ausbildung) und Diakon Dr. Mathias Mütel (Theologen-Weiterbildner im Bischöflichen Ordinariat). Die beiden animierten die Synodalen zum Mitdenken und Mitgestalten einer anregenden Besinnung. Zuerst sammelten wir unsere Vorstellungen von Maria. Erwähnt wurde u.a., wie sie ihr ganzes Leben für Jesus Christus eingesetzt hat. Als erster Mensch erkannte sie schon das kleine Kind als Sohn Gottes. Sie erlebte mit ihm eine ungewöhnliche Geburt und eine abenteuerliche Flucht nach Ägypten. Sie begleitete Jesus diskret während seines ganzen Lebens und blieb auch bei ihm, als er am Kreuz von vielen verlassen den Tod erlitt. Auch nach seiner Auferstehung zeigte sie, wie wichtig die Frau für die Kirche ist. Deshalb wird sie auch heute besonders verehrt. Immer noch lässt sie viele ihre mütterliche Sorge und Hilfe erfahren.
Im 2. Teil schilderte Mathias Mütel die interessante Entstehung des Rosenkranzes und die Bereicherung, die er auch heute den vielen Betern bringt. Mit seinen Wiederholungen hilft er uns, die Bedeutung von Jesus Christus für unser Leben zu meditieren. Gleichzeitig können wir mit Maria unsere Sorgen und Anliegen Gott anvertrauen. Das erfahren auch unsere Sodalen, die jeden Monat am 1. Freitag Abend in der Jesuitenkirche den Rosenkranz beten – eine eindrückliche Schar von betenden Männern!
In der abschliessenden hl. Messe erinnerte unser Präses Martin Gächter daran, wie wichtig von Anfang an Maria für die Weitergabe der Frohbotschaft Christi war und wie sie uns auch heute als aufgeweckte, mutige Frau begeistern kann.
Ein Bus mit Sodalen, Frauen und Gästen fuhr am 8. Oktober nach Siviriez. In diesem Freiburger Dorf lebte von 1815 – 1879 Marguerite Bays, die 2019 von Papst Franziskus heilig gesprochen wurde. Sie ist die jüngste Heilige der Schweiz. Auch die Sodalen wollten sie kennen lernen. Marguerite lebte ihr ganzes Leben in Siviriez, einem kleinen französisch sprechenden Dorf im Greyerzerland. Sie wohnte in einer Bauernfamilie, die für ihr Überleben hart arbeiten musste. In dieser Familie waren einige schwierige Menschen: Ein Bruder war ein schwere Alkoholiker, ein anderer lebte unverheiratet mit einem unehelichen Kind, für das sich Marguerite liebevoll einsetzte. Als der Bruder nach vielen Jahren die Mutter des Kindes heiratete, hat diese Frau ihre Schwägerin Marguerite dauernd geplagt und schikaniert. Sie warf Margerite vor, dass sie zu viel bete und jeden Tag in die hl. Messe gehe. Doch die hl. Marguerite war nicht nur sehr gläubig und fromm, sondern sie arbeitete auch viel für die Familie. Den problematischen Verwandten machte sie nie Vorwürfe, auch wenn sie ihr zuleide lebten. Als tüchtige Schneiderin hat Marguerite viele Kleider genäht und repariert, für Bedürftige auch gratis. Sie war eine fröhliche und beliebte Frau. Sie liebte auch die Kinder der Umgebung, die gerne zu ihr zum Spielen kamen oder ihre grosse Weihnachts-Krippe zu bewunderten. Gerne erzählte sie ihnen biblischen Geschichten und feierten mit ihnen schöne Andachten in einer nahen Kapelle. Mehrmals unternahm Marguerite zu Fuss eine grosse Wallfahrt von Siviriez nach Einsiedeln. Für einen Weg von 200km brauchte sie nur drei Tage! Aufmerksam verfolgte sie das kirchliche Leben in der Schweiz und in der weiten Welt. Sie förderte die Missionen und setzt sich – gegen den Willen ihres Bischofs – für die Herausgabe der ersten katholischen Tageszeitung „La Liberté“ ein. Diese wurde ein grosser Erfolg und gab Anstoss für viele weitere katholische Tageszeitungen in der Schweiz.
Bei unserer interessanten Wallfahrt durfte ein gemütliches Greyerzer Fondue nicht fehlen! Auf der Heimreise besuchten wir auch das alte Zisterzienserinnen-Kloster „Fille Dieu“ in Romont, deren alte Kloster-Kirche geschmackvoll renoviert und mit eindrücklichen abstrakten Kirchenfenstern geschmückt wurde.
Unser Hauptanlass des Jahres wurde mit der Festmesse und einer schönen Predigt von Pfarrer Thomas Ruckstuhl in „unserer“ Jesuitenkirche eröffnet. Nach einem guten Mittagessen im „Roten Turm“ durfte unser Präses Martin Gächter in der Jesuitenkirche fünf neue Sodalen in die Marianische Männerkongregation aufnehmen. Gemeinsam erneuerte eine grosse Schar das Sodalen-Versprechen. Es kamen viele Sodalen, die man unter dem Jahr leider nur selten oder nie sieht. Weitere Sodalen sandten schriftlich ihr Versprechen. Der Bruderschafts-Chor begleitete mit schönen Gesängen unsere Feier, zu der auch eine kurze Andacht und eine stille eucharistische Anbetung gehört. Der festliche Tag endete mit einer frohen Bierrunde in unserer schönen Hauptgasse.